Bloggen ... wird überbewertet.

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Es war einmal vor langer ruhiger Zeit, da setzte man einen Link, wenn ein Angebot gefiel und erwähnte in der Blogroll, wen man gerne und regelmäßig las. Das war damals, bevor Backlinks zur Währung der Suchmaschinen-Aufmerksamkeitsökonomie wurden (selbst erfundene Wörter kann man trennen, wo man will).

Jetzt wimmelt es im Netz an jeder Ecke von Kommentatoren, die nur um des Backlinks willen eine ‘Meinung’ absondern. Von Anfragen, ob man nicht das tolle Angebot Sowieso verlinken will, das leider meistens nicht so toll ist - und von Trackbacks, die ebenfalls auffallend zielgerichtet wirken.

Seit einige SEOs (die hauptberuflichen Google-Bespaßer, es gibt gute und Nervensägen und gefährliche, um sie mal in drei Sparten zu teilen) leider Listen mit nach Pagerank sortierten Blogs veröffentlicht haben, sortiere ich auf meinem Weblog mit dem höchsten PR täglich eine Handvoll Trittbrettfahrer aus und musste es deswegen auch schon auf moderiert stellen.

Das ist ziemlich unangenehm und lästig, denn jeder einzelne Kommentar-Spammer fühlt sich an wie ein ungebetener Gast auf einer privaten Party, der keinen kennt und den auch keiner kennen will, der sich aber trotzdem am Buffet bedient – und dann in die Ecke kackt.

Wenn ich diese ‘Antworten’ zulassen würde, kämen immer mehr nach, so viel habe ich inzwischen gelernt. Deswegen entferne ich solche Einträge, im Zweifelsfall lösche ich eben nur die kommerzielle URI aus dem Kommentar.
* Nun habe ich dieses Blog wiedereröffnet und weiß, es wird hier langfristig nicht anders. Jedenfalls nicht, wenn ich regelmäßig poste und die Besucherzahlen steigen, was ich doch wohl hoffe, denn schließlich gab es einige Jahre so gut wie gar keine Leser :-) weil das Weblog komplett brachlag. Mehr als kaum jemanden, das scheint mir doch ein recht erreichbares Ziel …

Tatsächlich kommen bereits steigende Zahlen an Besuchern und ich habe schon den ersten Spammer gelöscht, eine Bitte um eine völlig sinnferne Verlinkung abgelehnt (weil ich keinen Anlass habe, eine Versicherungs-Werbe-Seite eines Fremden zu verlinken) und überlege jetzt, wie ich damit umgehe, wenn jemand explizit und ‘grundlos’ plötzlich verlinkt werden will. Schlimmstenfalls noch jemand, den ich flüchtig kenne.

Wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten gar nicht damit umgehen.

Denn im Grunde prallen da zwei Welten aufeinander: Der Planet von Leuten, die ungeniert Linktauscherei betreiben und es als völlig normal ansehen, ihr Ranking auf dieser Basis zu verbessern oder zu sichern und die auch gar nichts dabei finden, an andere mit diesem Anliegen heranzutreten. Man tauscht halt. Ist doch nichts dabei. Eine Hand wäscht die andere. Oder so.

Dann meine WebWelt, in der Backlinks von anderen nicht erfragt werden müssen, sondern entweder aus Interesse gesetzt werden oder nicht und das ist wunderbar so, weil man damit niemanden nervt und von niemandem genervt wird und auch nur mit den Texten und Projekten verlinkt wird, die auch wirklich ein gutes Feedback bekommen. Links von Qualität. Nicht künstlich aufgebaute Vernetzungsstrukturen, weil man Aufmerksamkeit ‘eingetauscht’ hat, um die Google-Wahrnehmung zu erhöhen.

Meine Welt stirbt aber aus.

Immer mehr Menschen leben von den Web-Projekten, die vor ein paar Jahren noch kreative Spielwiesen privater Natur gewesen wären, bzw. generieren zumindest ein Zusatzeinkommen damit. Oder bewerben unweigerlich die eigenen Firmen-Sites, auch wenn sie Freestyle bloggen und möchten dann natürlich generell ihre Auffindbarkeit verbessern. Virtueller Idealismus fällt da ganzheitlich flach.

Damit diese Entwicklung erträglich bleibt,  hilft wohl nur gutes Benehmen und bei sich selbst anfangen damit: Nicht auf massenhaft Verlinkungen drängen, nicht kommentieren nur um der Rückverlinkung willen, die eigenen Favoriten auch ohne Backlink erwähnen … und vor allem hoffen, dass andere es auch so halten.

Damit Vernetzungen und Links auch in Zukunft noch Empfehlungen sind und nicht nur schnöde Tauschware.

P.S. Trade links for Sex

*
Edit. Ein anderer Aspekt: Hyperlinks als Synapsen des World Wide Web - Bookmarken bitte (diese Art von Aufforderung finde ich völlig in Ordnung, nur damit kein Missverständnis entsteht :-)

# melody am 29. Januar 2008 um 05:47 PM
Notizblogging • | (3055 Aufrufe)

Kommentare:

Verlink! Mich! Jetzt! ;-)

creezy  am  30. Januar 2008

Nein, was ich sagen wollte, ich lese doch mit … also eine liest mit! ,-)

creezy  am  30. Januar 2008

Gut zu wissen :-)))

Melody  am  30. Januar 2008

Hab mir Deinen Beitrag mal von vorn bis hinten durchgelesen. In gewisser Weise muss ich Dir recht geben, was das freiwillige Verlinken angeht. Auf der anderen Seite wird auch das Netz immer kommerzieller, was das Verhalten eines Großteils der Beteiligten komplett ändert. Und man sollte auch nicht gleich jeden, der , egal in welcher Absicht, eine kommerzielle Seite oder einen Blog auf einem ebensolchen Projekt in die dafür vorgesehene URL-Spalte einträgt, nur als Backlink-Abstauber ansehen. Denn auch im kommerziellen Bereich gibt es Leute, mit denen man fair und partnerschaftlich arbeiten kann, die aber auf der anderen Seite eben auch von ihren Projekten leben. Das ist wie im realen Leben, da kämpft auch jede Firma um ihre Aufträge und die Kunden und seien wir mal ehrlich: die Bandagen, mit denen dort teilweise gekämpft wird, sind um einiges härter als das Abstauben eines Backlinks. Darüber hinaus sorgt doch Google nach und nach durch strengere Filter und Ranking-Kriterien für bessere Qualität auch bei kommerziellen Ergebnissen. So jedenfalls meine Meinung.

Anmerkung der Redaktion: Kommerz ist Kommerz und “Zusammenarbeit” ist eine Sache von Einverständnis, gegenseitigem Einverständnis nämlich. Ich sehe wenig Gründe und habe noch weniger Motivation, meine Seiten zur Verfügung zu stellen, damit andere bei mir ihre Werbung ungefragt in die Ecke werfen können und somit filtere ich natürlich auch. Subjektiv und nachtragend. Denn hat man erst mal die Pest an Bord, kommen immer mehr nach, die schlau die Backlinks der Konkurrenz checken.

Daniel  am  31. Januar 2008
Seite 1 von 1 Seiten

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