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Grüße aus dem dritten Stock « | » Ein Jahr Mosel-Blog


Während ich im CMS eines Kunden sofort auf die Anfrage hin ein paar Templates für einen anderen Dienstleister freigebe, damit dieser sein Buchungssystem updaten kann und bei ähnlichen Aktionen, bei denen Flexibilität und technische Normalität gefordert ist, muss ich unweigerlich zurückdenken an Ende 1999.

Bevor ich kündigte, musste ich ständig gegen EDV-Abteilungen kämpfen und irgendwie war das nie so wirklich zufriedenstellend. War es mal OK, konnte man sich fest darauf verlassen, dass am nächsten Tag eine Umstellung des Betriebssystems für den ganzen Konzern beschlossen wurde und der Alptraum von vorne begann. Je mehr man selbst hätte erledigen können, wenn man denn nur gedurft hätte, desto unerträglicher war es.

Um eine bestimmte handcodierte HTML-Website zu aktualisieren, musste diese per Zipfile nach England gemailt werden, wo irgendein Admin sie dann auf den richtigen FTP-Bereich laden sollte. Im Völlegefühl seiner scheinbaren Macht ließ dieser Mann sich damit immer so richtig schön Zeit. Einmal versuchte er mir vorzumachen, dass es sich um einen langwierigen und komplizierten Prozess handeln würde, für den er sich erst mühsam Zeit freischaufeln müsse. Woraufhin ich ihm antwortete, wenn das so sei, sollten wir mal unsere Chefs einen Termin vor Ort vereinbaren lassen, damit ich ihn da entsprechend schulen könne - bei mir würde der Upload einer einzelnen HTML-Datei in der Regel etwa 20 Sekunden dauern.

Danach war er beleidigt, aber wenigstens schnell.

Die Website ersetzte einen fehlenden Prospekt zu einem bestimmten Produkt. Eine Site fehlte da sowieso, es war aber auch keine in Aussicht. Mir hatte es irgendwann gereicht, ständig einzelne Infos zusammenzustellen und ich hatte alles gesammelt, zu einer Info-Seite zusammengestellt, diese erstellt und dafür gesorgt, dass die vorher ins Leere führende Domain dafür genutzt wurde. An drei Dinge erinnere ich mich noch:

1) viele Mitarbeiter und Kunden bedankten sich begeistert über die kompakte Hilfestellung mit Links auf Dokumentationen und Anwendungsbeispiele.
2) der männliche Kollege, der während meines Urlaubs zwei Zahlen in der Preisliste aktualisierte, nutzte die Gelegenheit, um meinen Namen aus dem Quellcode zu streichen und sich selbst als Urheber der Dateien einzutragen
3) sobald die Seite richtig nützlich war und sich als Hilfe etabliert hatte, musste sie gelöscht werden, weil ihre Erstellung nicht vorher beantragt worden war.

Welche Wonne, nicht mehr gegen einen, pardon, in einem Konzern zu arbeiten :-)

# melody am 13. August 2008 um 11:19 AM
Just for fun • | (1638 Aufrufe)

Kommentare:

Da fällt mir ja nur noch eines ein: *arg*

Und ich hab mich über den (ebenfalls männlichen) Kollegen aufgeregt, der meinte, unsere Namen müssen dann unbedingt im Impressum des Kunden stehen. Wohlgemerkt, ich hab die ganze Arbeit gemacht, er hat nur den Kunden aquiriert, danach eifersüchtig alle Kontaktdaten gehütet und mich am Schluss das “Sorry, Sie haben das so mit meinem Kollegen besprochen. Wir haben Ihnen die Offerte zugeschickt, wenn sie jetzt doch ein CMS haben wollen, kostet das nochmal so viel.”-Gespräch führen lassen.

Ich glaube ja, Effizienz und Konzerne vertragen sich einfach nicht.

Nicole  am  18. August 2008

Sobald Abläufe zu bürokratisch werden, fürchte ich. Das kriegen auch kleine Firmen hin :(

Die Geschichte “hat eifersüchtig alle Kontaktdaten gehütet” hätte bei mir zu einem Grundsatzgespräch geführt, was führt der sich wie dein Chef auf? Entweder er ist es, dann wird er dir bereitwillig alle Informationen geben, oder er ist es nicht - dann soll er sich irgendwo eine Sandburg bauen für das imperiale Körpergefühl und nicht Kontrollzwang über Prozesse ausüben ... sowas macht mich ja sehr gereizt :-))

Carola  am  20. August 2008

Ich bin da immer ein wenig sprach- und hilflos, weils mir einfach nicht runtergeht, dass solche Leute nicht begreifen: Die Daten gehören der Firma. Und sind somit für alle betroffenen Mitarbeiter zugänglich. Theoretisch. Aber mir fehlt halt auch dieses Karrierendenken. Ich hänge noch der irrigen Idee an, dass gute Arbeit belohnt wird. Vielleicht vergeht diese Naivität mit dem Alter :-)

PS:
Wenn ich den Kollegen das nächste Mal sehe, drück ich ihm einen Eimer und ein Schäufelchen in die Hand *ggg*.

Nicole  am  21. August 2008

Gute Arbeit wird auch belohnt, aber in Firmen nicht so sehr wie Großgekotze, Wichtigmacherei und das an sich Reissen von Projekten, fürchte ich.

Wenn Kollegen sich die eigene Arbeit ans Revers heften, hört es für mich allerdings auf, ebenso wie angestrebte “Partnerschaften”, bei dem sich jemand gerne meiner Fähigkeiten bedienen möchte, weil er sie selbst nicht hat - sich dabei aber als mein Chef sieht.

Schönste Anfrage kam vom schmierigen Bruder einer ehemaligen Bekannten: “ICH mache dies und das und ICH suche das und das und ICH suche Leute, die MEINE Träume verwirklichen ...” Schallend gelacht und dankend abgelehnt.

Carola  am  21. August 2008
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Tabellen mit Leerschritten ..... das tut ja schon beim Drandenken weh :-)

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