Wer viel und gerne über Ebay kauft, erfährt und lernt zwangsläufig mehr über Menschen, als je beabsichtigt war. Sei es nun das kindische "erst du, dann ich" der Bewertungsrituale oder die schroffe Aufforderung, an diesen gefälligst teilzunehmen, seien es die blumigen Artikelbeschreibungen für den größten Schrott oder Ferengis, die sich weigern, zusammen gekaufte Artikel gemeinsam zu verschicken und das Vierfache des ersteigerten Warenwerts an Porto verlangen: Besser, man regt sich gar nicht erst auf.
Nach vielen Jahren entspannten Ebayens ist meine Glückssträhne jetzt gerissen oder der Massentourismus ins Internet verdirbt einfach das Benehmen der Händler. Seit Wochen muss ich mich täglich nebenbei beschäftigen mit Einzelfällen. Zum Beispiel Artikel, die voller Fingerabdrücke in Form von lösungsmittelresistenten Farbflecken geliefert wurden und bei denen der Händler dann nur lakonisch meinte »Schauen Sie doch, ob Sie’ s abkriegen«, was wir aber nicht wollten, da es sich um neuwertiges Spielzeug handelte, woraufhin ein höflich-bestimmter Reklamationstanz begann. Den ich am Ende natürlich gewann. Aber es nervt.
Tisch und Stühle kann man auch bei Ebay kaufen. Die kommen dann aber nicht sofort. Wenn man nachfragt, heißt es »oops, Paket verloren«. Das denke ich mir auch, die kleinen Päckchen von 250kg gehen immer als erste verloren. Tisch und Stühle kamen beim zweiten Anlauf, diesmal gab es auch eine Sendungsnummer (die erste war “verloren”), und es fehlten tatsächlich nur zwei Muttern.
Wenn ich bedenke, wie mir der letzte Ebay-Händler quasi Diebstahl unterstellte, als ich höflich fragte, wo denn die 50 Konferenzhüllen für 1,99 bei meiner ansonsten recht umfangreichen Büromaterialbestellung verblieben seien, sind fehlende Muttern doch ein Klacks. So geht es also schon seit Wochen. Kaufen, fleckige, beschädigte oder unvollständige Ware reklamieren, zurücksenden, warten. Von den hauptberuflich Vollbekloppten mal ganz abgesehen, die erst falsche Päckchen schicken und dann mit Anwälten drohen, obwohl man prompt und brav zurückgeschickt hat und dies per Sendungsnummer auch belegen kann.
So kann man sich Ebay natürlich auch abgewöhnen. Wenn man denn könnte. Noch ist es trotz aller Widrigkeiten zu praktisch.