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Social Media Networking Plattformen können etwas, das Standard-Mailanwendungen nicht zustanden gebracht haben: Sie bringen Leute zum Versenden von Nachrichten, von denen man per Mail höchstens einmal im Jahr gehört hat - wenn sie den aktuellsten Kettenwarnbrief herumschickten.

Was ja nichts Schlechtes sein muss. Wer im Web arbeitet, freut sich einen Schnitzelberg, wenn keine Phishingwarnung an ihm vorbeigeht, einfach indem sie von jedem an alle gesendet wird. Sonst könnten sich die vielen interessanten Botnet-Viren auch nicht so gut verteilen. Aber ich schweife ab in gefährliche Gefilde. Niemand weiß, wo ein ausführlicher Rant über Mailgewohnheiten anderer Leute aufhören würde. Vielleicht würde er das einfach nie.

*

Was ich eigentlich sagen wollte: Nun können sie auf einmal alle mit dem umgehen, was das Web zu bieten hat. Es muss nur große bunte Buttons haben, penetrant an jede offene Aktion erinnern und sich Vernetzung nennen, schon gehen auch ganz normale Mails. Sie müssen halt nur über Stayfriends ausgetauscht werden, dann fluppt das schon.

Vorteil: Man kann die Mail-Adresse des vernetzten Empfängers nicht vergessen, falsch schreiben oder auf einem anderen Rechner vergessen.

Nachteil: Es ist nicht Mail. Ist nicht privat. Kein Mensch weiß, wer da alles wann reinschnüffelt und wie lange der Austausch gespeichert wird.

Vorteil: Wichtige Nachrichten landen nicht im Spam, Bildschirmschoner und Kettenmails können nicht angehängt werden.

Nachteil: Es ist nicht Mail. Man kann Spam nicht filtern und sich keine Dateianhänge schicken.

Vorteil: Andere kümmern sich um die Virensicherheit des “Posteingangs”.

Nachteil: Andere kümmern sich um die “Sicherheit”.

Für mich ist und blebt es irritierend, dass ich über Stay*friends und andere Netze Kontakte per Mail aufrechterhalten kann mit Leuten, die vorher meine Mail-Adresse schon fünf Jahre kannten, aber nicht nutzten. Per Socialdings ist es dann auf einmal das normalste der Welt, auch einen längeren Austausch abzuwickeln, zügig zu antworten, den Faden nicht schon nach zweimaligem Pingpong wieder zu verlieren. Jeder Versuch, die Kommunikation auf die “normale” Mailbox umzuleiten, schlägt fehl. Ein bisschen seltsam ist das schon.

Einerseits will ich nicht meckern: Es ist viel einfacher so, auch für mich. Keine Nachricht geht verloren, kein Müll findet sich im Anhang und kein Support wird von mir erwartet. Weil nichts klemmt. Andererseits frage ich mich schon, ob diesen ganzen “Usern” klar ist, dass sie nicht einfach nur eine Maschine benutzen, die ihnen mailen hilft. Jede Plattform von Menschen für Menschen wird von Personen betrieben, die in alles reinschnüffeln können, Daten speichern können, Statistiken anlegen, Kommunikation archivieren, Profile abgleichen und Verbindungen herstellen.

Selbst wenn ich mit privaten Daten und Aussagen vorsichtig bin, was ja bei weitem nicht alle sind: Wenn Stayfriends meine Mailbox ist und Xing mein Schaufenster und wenn ich meine Web-Freizeit kontinuierlich auf Facebook protokolliere, wie viel von dem, was über mich im Datenstrom landet, kann ich tatsächlich noch kontrollieren? Und wieso stört das niemanden, so lange nur irgendein Spielzeug damit verknüpft ist?

# melody am 03. Februar 2010 um 11:13 AM
Rant, if you can • | (1025 Aufrufe)


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